Allgemeines

Momentan ist Polen noch eins der mit dem Wohnmobil nicht so gut besuchten Ländern, man sieht sie auch im Sommer lange nicht so oft wie hier.
Schade eigentlich, denn Polen ist wie für den Campingurlaub gemacht: Viele Campingplätze, schöne Landschaften, viel Natur. Wenn man mal nicht kochen will, ist das Essen gehen spektakulär günstig und das Essen sehr kompatibel mit dem deutschen Gaumen.
Wohnmobil Stellplätze findet man in Polen nicht so oft bis gar nicht, dafür sehr viele Campingplätze, die dort ‚Kemping‘ heißen und oft eher an hiesige Stellplätze erinnern, denn an Campingplätze. Sie sind meistens bis spät in die Nacht befahrbar, Dauercamper und Gartenzwerge gibt es kaum, die Plätze sind oft naturbelassen und unparzelliert. Nur an der Ostsee, in sehr touristischen Gebieten gibt es richtige Massencampingplätze, eng und während der polnsichen Sommerferien voll.

 

Sehr viele Polen sprechen gut Deutsch, so dass man immer Fragen kann, wenn was ist. Wir haben einige Plätze in Polen in der Datenbank, es kommen in den kommenden Wochen noch einige hinzu. Dann spätestens gibt es keine Ausrede mehr, unser Nachbarland nicht zu besuchen. Es erwarten Dich schöne Ostseestrände, Masuren mit seinen wunderschönen Seen und unberührten Natur, aber auch Berge und eine ganz eigene Kultur im Süden Polens.

Essen

Das Wichtigste zuerst:

  • Pierogi: Teigtaschen, unterschiedlich gefüllt:
    • Ruskie. Kartoffeln, Frischkäse, Zwiebeln. Der Favorit sozusagen.
    • Kapusta i Grzyby / z kapusta i grzybami. Kraut und Pilze
    • Mieso / z miesem. Fleisch.
    • Jagody / z jagodami. Blaubeeren. Gibts in Polen überall, mit allem.
    • Seltener bekommt man ‚Krokiety‘. Das sind zusammengeklappte, panierte, gebratene Pfannkuchen. Diese sollte man essen, egal wie wenig Hunger man hat. Am besten ‚z serem i pieczarkami‘, mit Käse und Pilzen.
  • Dazu oder davor ein Barszcz. Rote Beete Suppe, ein Muß.
  • Nalesniki sind ’normale‘ Pfannkuchen, meistens erhältlich mit allen Pierogi-Füllungen, auch süß sehr zu empfehlen.
  • An der Küste isst man natürlich gebratenen Fisch . Die Preise sind immer pro 100g angegeben. Je höher der Preis, umso exotischer der Fisch, der beste Deal ist Dorsz. Lokal und lecker
  • Dazu (und auch zu allem anderen) isst man ‚Surowka‘. Rohkostsalate. Am besten immer gemischt nehmen, die sind sehr günstig und lecker.
  • Placki sind Kartoffelpuffer, die gibts auch überall, am besten mit Gulasz (Gulasch, wer hätte das gedacht)
  • Kotlet schabowy ist ein Schnitzel, ansonsten kommt man mit ‚Schnitzel‘ immer weiter. Manchmal auch unter ‚Sznycel‘ zu finden, was exakt wie ‚Schnitzel‘ ausgesprochen wird.
  • Bigos ist ein Nationalgericht aus Sauerkraut, Pilzen und einigen Fleischsorten. Sehr lecker und auch Pflicht.
  • Gofry. Waffeln, belegt mit Früchten und auf Wunsch mit Tonnen Schlagsahne. Pflichtessen.

Straßennetz

Mittlerweile gibt es ein großartig ausgebautes Netz an vierspurigen Schnellstraßen (S) und Autobahnen (A) in Polen. Die Nebenstraßen sind an manchen Orten immer noch ‚anspruchsvoll‘, aber das Reisen ist viel sicherer und schneller (und langweiliger) geworden als noch vor einigen Jahren.
Auf zweispurigen S-Strassen sieht man mehr, aber das Fahrverhalten ist anders als in Deutschland. Man überholt wo nur möglich und manchmal auch unmöglich, wenn man bei dem Spiel nicht mitmachen möchte, sollte man sich rechts halten, dabei aber unbedingt auf Fußgänger und Fahrradfahrer am Rand achten.
Fahrradwege gibt es leider noch lange nicht überall und das Radeln auf Bundesstraßen (S) ist nur was für mutige.

 

Mittlerweile ist das Reisen, speziell mit dem Reisemobil auf den ‚alten‘ Hauptstrassen, die meistens parallel zu den neuen vierspurigen Schnellstrassen verlaufen oft netter, da der Verkehr sich auf die bequemen, neuen Straßen verlagert hat und man auf den kleineren Straßen schönere Aussichten und vor allem gute Einkehrmöglichkeiten an diversen Restaurants entlang der Straße.

 

Ein wichtiger Hinweis vom Auswärtigen Amt ist, dass man in Polen ein ausgefülltes Formular vom Fahrzeugbesitzer dabei haben sollte, wenn man ein nicht auf den eigenen Namen angemeldetes Fahrzeug fährt. Da wir in Polen noch nie angehalten wurden, können wir nicht sagen, ob es kontrolliert wird, aber man kann es sich hier runterladen: http://www.berlin.msz.gov.pl/pl/

Maut

Manche Autbahnen wie z.B. die A2 von der deutschen Grenze richtung Posen (Poznań) sind kostenpflichtig aber günstig.

 

Maut (viaToll) fällt auch auf Schnellstrassen (S) für Fahrzeuge über 3.5 Tonnen an. Dafür kann man sich eine elektronische Box an Tankstellen und diversen anderen Verkaufsstellen gegen Kaution (ca. 30 €) leihen, aufladen und am Ende ggf. Kaution und Restguthaben wiederholen. Die Erfassung erfolgt wie in Deutschland automatisch.

Campingplätze / Stellplätze / Freistehen

An erster Stelle: Camping (oder ‚Kemping‘ wie man in Polen meistens schreibt) ist in Polen sehr beliebt, dementsprechend gibt es ein dichtes Netz an Plätzen. Der Standard ist oft nicht mit deutschen Campingplätzen zu verlgleichen, jedoch meistens ausreichend. Speziell an Campingplätzen, die nur im Sommer offen sind findet man Duschen, die eher nur im Sommer zu gebrauchen sind, wenn man nicht auf Kälte steht.
Die Preise bewegen sich zwischen 10,- und gerne mal 30,- € für ein Womo inkl. zwei Personen und Strom je nach Austattung und Saison.
Einen Brötchenservice gibt es meistens nicht, dafür aber einen kleinen Supermarkt.
Stellplätze wie man sie z.B. aus Deutschland oder Frankreich kennt gibt es nicht/kaum, dafür gibt es, speziell in touristischen Regionen viele private Stellplätze, manchmal sogar im Garten, wenn dieser groß genug ist. Diese heißen dann man ‚Kemping‘ oder in ländlichen Regionen wie Masuren ‚Agroturystyka‘. Diese sind auch über bekannte Suchmaschinen leicht zu finden. Ein Anruf lohnt sich oft, auch wenn auf der evtl. vorhandnen Homepage nicht explizit auf Stellplätze für Womos hingwiesen wird, sind sie trotzdem da oder werden kurzfristig eingerichtet. So haben wir schon manchen spektakulären Ort zum Stehen gefunden.

Lebensmittelpreise

Die Lebensmittelpreise sind in Polen im Schnitt niedriger als in Deutschland, bei manchen Dingen muss man aber mehr zahlen. Die vielen leckeren Biere sind beispielsweise teurer als hier. Eine Flasche oder Dose Bier (0,5 L) kostet gerne mal einen bis 1,50 €. Wein ist auch teurer. Hochprozentiges dagegen viel günstiger.
Die Meisten Lebensmittel, wenn sie nicht gerade hochexlusiv sind, sind etwas günstiger als in Deutschland und dem Rest Europas. Mann muss nicht unbedingt befürchten, dass man an der Kasse eine böse Überraschung erlebt, meistens ist es eine angenehme.

Supermärkte (Ketten):
– Biedronka, Netto. Günstig und okay für die einfachsten Dinge.
– Tesco, Carrefour, Auchan. Meistens groß bis riesig. Da bekommt man alles. Da gibt es meistens noch kleine Kioske im Markt wo man z.B. SIM Karten bekommt. Sind auch oft als POI in der Navi zu finden.
– ‚Sklep‘ oder ’spożywczy‘ heißt Laden und die gibt es im Grunde in jeder Ortschaft. Dort bekommt man alles Nötige.
Die meisten großen Supermärkte (in größeren Ortschaften) haben 24/7 offen, in kleinen Dörfern auch meistens am Sonntag.
Es ist grundsätzlich sicher Wasser aus dem Wasserhahn zu trinken, allerdings greifen wir immer gerne auf 5-6 L Kanister aus dem Supermarkt für 1-2 €. Trinkwasser heisst ‚woda pitna‘. So ausgesprochen wie geschrieben, steht bei Campingplätzen auch an den Zapfstellen, im Zweifel fragen.

Gastronomiepreise

Essen gehen ist aus deutscher Sicht sehr günstig. Man bekommt eine Mahlzeit mit Getränk und Süppchen im Schnitt für umgerechnet 10,- €. Das heißt, dass man durchaus für sechs Euro ein Mittagessen bekommt und für 16 Euro ist man schon in der sehr noblen Preisklasse angekommen. Dabei sind die Portionen meistens eher großzügig.

Dieselpreise

Der Diesplreis bewegt sich momentan zwischen umgerechnet 1,- und 1,10 € (Oktober 2015). Natürlich sind Tankstellen an Autobahnen und in Grenznähe teurer. Die Bezahlung ist ohne mehrkosten mit EC Karten möglich, dabei kann man auswählen, ob man in Euro bezahlen will, oder in PLN. Der fertig umgerechnete Preis ist meistens ein schlechter Deal, der Umrechnungskurs ist nachteilig. Wir bezahlen immer ‚ins Ungewisse‘ in PLN und hatten dabei immer einen sehr guten Kurs bekommen.

Zugang zum Internet

Der Zugang zum mobilen Internet ist in Polen einfach und günstig.
In großen Städten gibt es vielerorts öffentliches WLAN, ansonsten greift man am besten auf polnosche SIM-Karten zurück. Die bekommt man in jeder Stadt oder Ortschaft am Kiosk oder auch in vielen Läden für umgerechnet 2-3 €. Die SIM heißt ‚Starter‘, wird gesprochen wie geschrieben. Meistens sind 2 Gb frei, für Aufladungen gibt es immer einen Bonus: http://www.orange.pl/kid,4003445692,id,4003784086,article.html. Am Ende heißt das, dass man für 25,- PLN (~5 €) 1.25 GB bekommt. Je mehr man auflädt, umso mehr (exponentiell) Bonus bekommt man. Wenn man 10,- € ausgibt sollte das im Grunde für einen zweiwöchigen Urlaub dicke reichen.

Wir haben bisher meistens SIMs von Orange genutzt (http://www.orange.pl/kid,4002009309,id,4003783466,article.html) , war immer sehr zuverlässig und gut abgedeckt. Meistens ist HSUPA oder LTE vorhanden.

Gasflaschen

Mit Gasflaschen haben wir es besonders einfach, in Polen werden die gleichen Flaschen genutzt wie hier, ein Umtausch und Füllung sind einfach. An den meisten, wenn nicht allen Tankstellen gibt es auch Gas zum Tanken.

 

Sicherheit

Ist natürlich immer ein Thema, wenn zivilisierte Westeuropäer in den Wilden Osten fahren. Wir haben bisher noch keinen Moment gehabt, an dem wir uns unwohl gefühlt hätten. Ich persönlich würde unser Womo nie unbeaufsichtigt irgendwo in der Pampa oder Großsstadt über Stunden stehen lassen, aber das ist unabhängig vom Land. Am Supermarktparkplatz haben wir immer geparkt und Gardinen zugezogen, so daß man nicht sieht, ob jemand drin. Und wir parken immer Zentral.
Viele Campingplätze haben einen Sicherheitsdienst, oder zumindest einen Nachtwächter.
Lange Rede, kurzer Sinn: man muss nur genauso paranoid sein, wie wonaders auch

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  1. Wolfgang

    Danke, eine schöne Zusammenfassung über Polen, der ich nur beipflichten kann. Und zwar in allen Punkten. Wir (57/59) waren Ende Sept. 2016 zwei Wochen entlang der schönen Ostseeküste unterwegs, haben etliche CP besucht, waren auch auf privaten Stellplätzen. Alles in allem war es eine so schöne Reise, dass für dieses Jahr die Fortsetzung geplant ist.
    Also ihr Zweifler; nur Mut, es lohnt sich auf jeden Fall.
    P.S. Kriminalität? Haben wir nicht gesehen 😉